Medizinische Untersuchung

Muss ich auf Alkohol verzichten, wenn ich mit Alkohol am Steuer aufgefallen bin?

Manche Kraftfahrer, die durch Alkohol am Steuer aufgefallen sind, tun gut daran, auf Alkohol zu verzichten – nicht nur wegen des Führerscheins. Das gilt aber nicht für alle. Bei vielen alkoholauffällig gewordenen Kraftfahrern kann auch ein kontrollierter Umgang mit Alkohol dafür sorgen, dass sie Alkoholkonsum und Verkehrsteilnahme zu trennen wissen und auf diesem Wege das Risiko einer erneuten Trunkenheitsfahrt ausreichend senken. Deshalb: Welche Konsequenzen Sie für Ihren Umgang mit Alkohol ziehen müssen, hängt davon ab, welche Schwierigkeiten Sie mit Alkohol hatten und wie Sie diese Probleme auf Dauer in den Griff bekommen können.

Wie lange muss ich alkoholfrei gelebt haben, wenn ich alkoholabhängig geworden bin?

Bei Alkoholabhängigkeit sind in der Regel mindestens 12 Monate Alkoholabstinenz nach einer abgeschlossenen Suchttherapie Voraussetzung für eine günstige Verkehrsverhaltensprognose. Bei einer langandauernden ambulanten Therapie muss der Abstinenzzeitraum seit Beginn der Therapie deutlich länger als 12 Monate betragen, dabei kann die Zeit seit Beginn der Therapie als Abstinenzzeit mit berücksichtigt werden. Die Alkoholabstinenz muss durch geeignete Laborkontrollen (Ethylglucuronid-Analysen im Urin oder Haar) belegt werden (s.a. Abstinenzkontrollen Drogen/Alkohol).

Wie lange muss ich drogenfrei gelebt haben, um die MPU zu bestehen?

Beim Konsum von schwer suchterzeugenden Substanzen (z.B. Heroin, Kokain usw.) oder bei Vorliegen einer Drogenabhängigkeit muss ein Drogenabstinenzbewährungszeitraum von mindestens einem Jahr durch anerkannte forensisch gesicherte Drogenscreenings (Urinscreenings, Haaranalyse) nachgewiesen werden (s.a. Abstinenzkontrollen Drogen/Alkohol).
Ob ein Drogenverzicht z.B. bei Cannabiskonsum für eine günstige Verkehrsverhaltensprognose notwendig ist und wie lang der drogenfreie Zeitraum sein muss, ist von den früheren Drogenkonsumgewohnheiten abhängig. Da sich diese Frage nicht allgemein beantworten lässt, ist bei Drogenfragestellungen eine persönliche Beratung zur Klärung der Eignungsvoraussetzungen besonders anzuraten. Wenn Sie das für Ihren Fall klären möchten, empfiehlt sich ein persönliches Beratungsgespräch bei einem qualifizierten Verkehrspsychologen im Vorwege der MPU.

Welche Laborwerte muss ich vorlegen, um meinen Verzicht auf Alkohol oder Drogen zu beweisen?

Häufig ist es für ein positives Gutachtenergebnis nötig, einen längerfristigen Abstinenznachweis zu erbringen oder einen unschädlichen Alkoholgebrauch zu belegen. Informieren Sie sich rechtzeitig vor Ihrer MPU bei einem qualifizierten Verkehrspsychologen, ob in Ihrem Fall Nachweise erforderlich sind und in welcher Form diese erbracht werden müssen (Länge des belegten Zeitraums, Art der Laboranalysen, Voraussetzungen für die Haaranalyse). Sonst scheitern Sie möglicherweise daran, dass Sie Ihre Drogenfreiheit oder Ihren Alkoholverzicht nicht ausreichend belegen können.
In unseren Begutachtungsstellen bieten wir Ihnen eine unkomplizierte Durchführung von Abstinenzkontrollen an.

Als Beleg für einen Alkoholverzicht kommen folgende Methoden in Frage:

  • Urinanalysen auf Ethylglucuronid
  • Haaranalysen auf Ethylglucuronid


Als Beleg für einen unschädlichen Alkoholgebrauch kommen folgende Methoden in Frage:

  • Leberwertkontrollen (Gamma-GT, GOT, GPT)

 

Die Bestimmung eines CDT-Wertes zum Nachweis von Alkoholabstinenz ist nicht geeignet, da ein normwertiger CDT-Befund lediglich einen gegenwärtigen Alkoholmissbrauch ausschließen kann.

Als Beleg für einen Drogenverzicht kommen folgende Methoden in Frage:

  • Haaranalyse (bei ausreichender Haarlänge)
  • Forensisch gesicherte Urinanalysen (Drogenkontrollprogramm)

 

Wenn Sie mehr wissen wollen - hier erhalten Sie weitere Informationen zum Thema Abstinenzkontrollen Drogen/Alkohol.

Soll ich zur Sicherheit einen CDT-Wert machen lassen, wenn ich auf Alkohol verzichte?

Neben den bekannten Leberwerten (Gamma-GT, GOT, GPT) erlaubt auch der CDT–Wert Rückschlüsse auf das Alkoholkonsumverhalten. Allerdings kann mit diesem Wert eine Alkoholabstinenz nicht belegt werden, da der CDT erst „anschlägt“, wenn regelmäßig große Alkoholmengen konsumiert werden, bei maßvollem Alkoholkonsum aber unauffällig bleibt. Da der CDT nicht empfindlich genug auf Alkoholkonsum reagiert, ist er für die Fahreignungsbegutachtung als Abstinenznachweis nicht geeignet. Die Kosten können Sie sich also sparen.


Wollen Sie nachweisen, dass Sie völlig auf Alkohol verzichten, liefern Urin- oder Haaruntersuchungen auf Ethylglucuronid aussagekräftige Ergebnisse.

Wie kann es sein, dass ich bei der MPU durchfalle, obwohl meine Leberwerte völlig normal sind?

Normale Leberwerte und unauffällige körperliche Befunde sind bei Gutachten mit Alkohol-Fragestellung eine notwendige, aber noch keine hinreichende Eingangsvoraussetzung für das Erstellen einer positiven Verkehrsverhaltensprognose. Durch die medizinische Untersuchung wird lediglich festgestellt, ob durch Alkoholmissbrauch medizinische Folgeschäden aufgetreten sind, die das sichere Führen von Kraftfahrzeugen beeinträchtigen bzw. ob gegenwärtig Alkoholmissbrauch vorliegt.


Bei einer MPU steht jedoch nicht die Frage der körperlichen Eignung im Vordergrund der Begutachtung, sondern die Frage eines erneuten Fehlverhaltens im Straßenverkehr. Ob von einem Menschen künftig ein angepasstes und risikoarmes Verkehrsverhalten erwartet werden kann, hängt entscheidend von dessen Einstellung und Verhaltensweisen ab. Diese Bereiche werden im psychologischen Gespräch untersucht, so dass die psychologische Beurteilung in den meisten Fällen Ausschlag gebend für das Gesamtergebnis ist.

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