Straftaten

 

Warum werde ich in der MPU auch nach Delikten befragt, die gar nichts mit dem Straßenverkehr zu tun haben?

Wird an wiederholten und/oder gravierenden strafrechtlichen Delikten erkennbar, dass jemand um des eigenen Vorteils willen mögliche Schäden anderer Personen bewusst in Kauf nimmt oder aber gar nicht bedenkt, so verträgt sich dies nicht mit der Notwendigkeit eines rücksichtsvollen Verhaltens im Straßenverkehr zum Schutz aller Beteiligten. Daher kann die Kraftfahreignung erst dann wieder angenommen werden, wenn die Grundhaltung der Person erkennen lässt, dass das Recht auf körperliche Unversehrtheit jedes Einzelnen ausreichend geachtet wird sowie die Fähigkeit zur Anpassung an die Verkehrsbestimmungen und den Verkehrsgegebenheiten vorhanden ist. Die Abklärung dieser Fragen kann von der Verkehrsbehörde bei entsprechender Aktenlage gefordert werden.

Welche Straftaten außerhalb des Straßenverkehrs können dazu führen, dass ich meinen Führerschein verliere?

Straftaten, die ein hohes Aggressionspotenzial erkennen lassen, begründen Zweifel an der charakterlichen Eignung zum sicheren Führen von Kraftfahrzeugen. Dazu zählen insbesondere Vergehen wie Körperverletzung, Bedrohung, Nötigung, Hausfriedensbruch, Totschlag, Mord, Vergewaltigung, Raub, Freiheitsberaubung u.ä. Diese Straftaten bezeugen entweder eine Neigung zu planvoller, bedenkenloser Durchsetzung eigener Anliegen ohne Rücksicht auf berechtigte Interessen anderer oder eine Bereitschaft zu ausgeprägt impulsivem Verhalten. Derartige Verhaltensmuster können sich auch so negativ auf das Führen von Kraftfahrzeugen auswirken, dass die Verkehrssicherheit gefährdet wird.

Straftätern darf daher bei einer Verurteilung der Führerschein entzogen werden, wenn sie eine Gefahr für die Verkehrssicherheit sind. Das ist zu vermuten, wenn aus den Straftaten eine hohe Aggressionsbereitschaft spricht, denn dann besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass auch während des Führens von Kraftfahrzeugen aggressive Verhaltenstendenzen ausgelebt werden. Der Straßenverkehr ist ein soziales Handlungsfeld, welches von den Beteiligten „ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht“ (§ 1 StVO) erfordert. Wer aufgrund rücksichtslosen Durchsetzens eigener Interessen, aufgrund seines großen Aggressionspotenzials oder seiner nicht beherrschten Affekte und unkontrollierten Impulse in schwerwiegender Weise die Rechte anderer verletzt, lässt nicht erwarten, dass er im motorisierten Straßenverkehr die Rechte anderer Verkehrsteilnehmer – zumindest in den sehr häufig auftretenden Konfliktsituationen – respektieren wird.

Seitenanfang