Drogen

Welche Grenzwerte gelten bei Drogenkonsum im Straßenverkehr?

Nach Absatz 2 des § 24a Straßenverkehrsgesetz handelt jeder ordnungswidrig, der ein Kraftfahrzeug im Straßenverkehr führt unter der Wirkung mindestens eines der folgenden berauschenden Mittel:

  • Cannabis
  • Heroin
  • Morphin
  • Kokain
  • Amphetamin
  • Designer-Amphetamin


Lediglich bei Cannabis existiert ein Grenzwert, d.h. eine Ordnungswidrigkeit liegt dann vor, wenn eine Fahrt mit einer Wirkstoffmenge von 1 ng/ml THC im Blut oder mehr angetreten wurde. In allen anderen Fällen liegt ein Verstoß gegen das Straßenverkehrsgesetz bereits dann vor, wenn bei einem Fahrer Wirkstoffe einer der o.a. Substanzen im Blut nachgewiesen werden können.

Wie wird die Verkehrsteilnahme unter Drogeneinfluss bestraft?

Eine Fahrt unter dem Einfluss berauschender Mittel ist eine Ordnungswidrigkeit, die mit 2 Punkten im Verkehrszentralregister bewertet wird. In der Regel wird ein Bußgeld von 500 Euro bis 1.500 Euro und ein Fahrverbot verhängt.

 

Wie lange können Drogen nachgewiesen werden?

Drogen können im Urin, in den Haaren und im Blut nachgewiesen werden. Die folgende Tabelle gibt einen Überblick (Quelle: Kommentar zu den Begutachtungs-Leitlinien zur Kraftfahreignung, 2. Auflage):

In den Haaren verbleiben Drogenrückstände am längsten. Bei ausreichender Haarlänge erlaubt eine Haaranalyse rückwirkend auch die Nachweisführung über einen drogenfreien Zeitraum von 12 Monaten oder länger.

Substanzen im Urin Nachweisbarkeitsdauer * seit letztem Konsum
THC und Metabolite Hauptmetabolit THC-COOH-Glucuronid: Bei einmaligem Probierkonsum ca. 2-3 Tage
Bei vereinzeltem / gelegentlichem Konsum: 2-4 Tage
Bei mehrmals wöchentlichem Konsum: ca. 5-14 Tage
Bei Dauerkonsumenten:2-6 Wochen, in Einzelfällen ggf. länger
Opiate Heroin: Ausscheidung als konjugiertes Morphin:Dosisabhänig ca. 48-96 Stunden
6-MAM: Im Urin nur wenige Stunden, je nach Blasenentleerung maximal etwa bis zu 10 Stunden nachweisbar
Freies Morphin: 24-48 Stunden
Konjugiertes Codein: 48-72 Stunden
Kokain Benzoylecgonin: Dosisabhängig 2-3 Tage
Ecgoninmethylester: Bis 2 Tage
Unverändertes Kokain: Dosisabh. Bis 12 Stunden
Amphetamin, Methamphetamin, Methylendioxyamphetamine Verschiedene Wirkstoffe: Vom pH-Wert des Urins und von der Dosis abhängig 1-3 Tage
Ethylglucuronid Dosisabhängig: 1-3 Tage

* Die Nachweisbarkeitsdauer ist dosisabhängig und kann bei Dauerkonsum ansteigen. Sie hängt auch von der Entleerungsfrequenz der Harnblase ab. Als Faustregel kann gelten, dass Substanzen, meist in Form ihrer Metabolite, bei der Mehrzahl der Konsumenten nach etwa 8-10 Eliminationshalbwertszeiten soweit ausgeschieden sind, dass die Konzentrationen die Nachweisgrenzen unterschreiten.

Substanzen im Blut Nachweisbarkeitsdauer * seit letztem Konsum
THC und Metabolite THC im Serum nach Einzelkonsum: 6-12 Stunden
Metabolit 11-OH-THC: 6-12 Stunden (in Fällen regelmäßigen bzw. mehrfach täglichen Konsums sind sowohl THC als auch 11-OH-THC ggf. auch deutlich über 24 Stunden nachweisbar)
Metabolit THC-COOH: Abhängig von Konsumpraxis und Metabolismus mehrere Tage; bei Dauerkonsum bis zu 2-3 Wochen
Opiate Heroin: wenige Minuten
Morphin: 3-10 Stunden, nach höchstdosiertem Heroin auch bis >20 Stunden
6-MAM: Minuten bis 2 Stunden
Codein: 24 Stunden
Dihydrocodein: 8-10 Stunden
Kokain Bei intranasaler Applikation: ca. 2-8 Stunden
Inhalativ (z. B. Crack): ca. 20 Minuten bis 1 Stunde
Benzoylecgonin: >48 Stunden
Amphetamin, Methamphetamin, Methylendioxyamphetamine Abhängig vom pH Wert des Urins: 12-16 Stunden, ggf. >24 Stunden

* Die Nachweisbarkeitsdauer ist dosisabhängig und kann bei Dauerkonsum ansteigen. Sie ist zudem abhängig von der Art der Asservierung der Blutprobe (Zusatz von Natriumfluorid) und dem eingesetzten Analyseverfahren.

Warum wird der Führerschein z.B. bei Ecstasy-, Heroin- oder Kokainkonsum entzogen, aber nicht bei Cannabis-Konsum?

Im Prinzip wird jegliche Einnahme von Drogen als Ausschlusskriterium für die Fahreignung angesehen, so dass der Nachweis von Drogen am Steuer zur Entziehung der Fahrerlaubnis führt. Daher wird der Führerschein entzogen, wenn ein Kraftfahrer unter dem Einfluss von Drogen am motorisierten Straßenverkehr teilnimmt, d.h. nach dem Konsum von Opiaten (z.B. Heroin), Kokain, Amphetaminen (Speed), Designer-Drogen (z.B. Ecstasy) oder Benzodiazepinen.

Fahrten unter Cannabis (Haschisch, Marihuana) stellen allerdings einen Sonderfall im Fahrerlaubnisrecht dar. Hier unterscheiden sich die Konsequenzen für den Führerschein danach, ob Cannabis einmalig, gelegentlich oder gewohnheitsmäßig konsumiert wurde. Die Fahrerlaubnis muss entzogen werden, wenn regelmäßiger Konsum vorliegt bzw. wenn der Betroffene nicht dazu in der Lage ist, seinen Konsum zuverlässig von der Verkehrsteilnahme zu trennen. Welcher Fall bei einem Cannabiskonsumenten gegeben ist, wird nach Anordnung durch die Verkehrsbehörde von Fachleuten beurteilt (medizinischen und psychologischen Gutachtern).

Warum muss ich ein Facharztgutachten machen lassen?

Um die Frage Ihres Konsummusters nach einer Cannabisauffälligkeit zu klären, kann Ihre zuständige Verkehrsbehörde zunächst ein Drogenscreening oder ein fachärztliches Gutachten von Ihnen verlangen. Durch die Begutachtung soll festgestellt werden, welcher Art Ihr Drogenkonsum ist und ob Sie weiterhin Cannabis konsumieren.

Bei der fachärztlichen Untersuchung werden Sie daher nach Ihrem früheren und jetzigen Drogenkonsum befragt. Eine körperliche Untersuchung wird durchgeführt. Zusätzlich ist ein Drogenscreening notwendig, entweder in Form von Urinanalysen oder in Form einer Haaranalyse auf Drogenrückstände. Wenn alle Ergebnisse vorliegen, wird das ärztliche Gutachten erstellt. Es dient der Behörde als Grundlage für die Entscheidung, ob die Fahrerlaubnis belassen werden kann oder entzogen werden muss.

Sollten neben dem Cannabiskonsum weitere Zweifel an der Fahreignung bestehen, kann die Straßenverkehrsbehörde ein Medizinisch-Psychologisches Gutachten verlangen. Dies ist z.B. der Fall, wenn bei der Drogenfahrt zusätzlich Alkohol in Ihrem Blut festgestellt wurde oder andere Auffälligkeiten bestehen.

Facharztgutachten werden auch bei Drogen- oder Alkoholabhängigkeit angeordnet, um die Frage zu klären, ob die Abhängigkeit als bewältigt beurteilt werden kann.

Kann ich den Führerschein wiederbekommen, obwohl ich noch im Methadonprogramm bin?

Wenn Sie als Heroinabhängiger mit Methadon substituiert werden, ist in der Regel eine hinreichend beständige Anpassungs- und Leistungsfähigkeit zum sicheren Führen eines Kraftfahrzeuges nicht gegeben. Nur in seltenen Ausnahmefällen können besondere Umstände im Einzelfall eine andere Einschätzung der Kraftfahreignung rechtfertigen.
Zur Erlangung einer Fahrerlaubnis bei Methadoneinnahme müssen Sie im Rahmen einer Medizinisch-Psychologischen Untersuchung nachweisen, dass Sie folgende Mindestvoraussetzungen erfüllen:

  • eine mehr als einjährige Methadonsubstitution (Bescheinigung)
  • eine psychosoziale stabile Integration ( Therapiebericht und andere Bescheinigungen, z.B. aus dem beruflichen / schulischen Bereich)
  • Vorliegen einer kritischen Distanz zur Drogen- und Deliktvorgeschichte
  • Freiheit von Beigebrauch anderer psychoaktiver Substanzen, inkl. Alkohol, seit mindestens einem Jahr, nachgewiesen durch geeignete, regelmäßige, zufällige Kontrollen (z. B. durch Urinkontrollen, Haaranalyse, Leberwerte)
  • Eigenverantwortung und Therapie-Compliance (Therapiebescheinigung)
  • Ausschluss einer Störung der Gesamtpersönlichkeit (Facharztgutachten)
  • ausreichende Leistungsfähigkeit in den verkehrsrelevanten Bereichen (psychometrische Testverfahren)


Sollten Sie an einem Methadonprogramm teilnehmen, lassen Sie sich vor Beantragung der Fahrerlaubnis am besten individuell bei einem qualifizierten Verkehrspsychologen beraten.

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